Eine Zahnprothese wird täglich mechanisch gereinigt: mit einer Bürste und Seife oder einem speziellen Prothesenreiniger. Normale Zahnpasta ist ungeeignet, weil sie den Kunststoff verkratzen kann. Reinigungstabletten sind eine sinnvolle Ergänzung, ersetzen das Bürsten aber nicht (zm, „Prothetische Therapie beim älteren Patienten“, 2023).
Schritt für Schritt
- Herausnehmen und abspülen, am besten nach jeder Mahlzeit, mindestens einmal täglich gründlich.
- Waschbecken vorbereiten: mit etwas Wasser füllen oder ein Handtuch hineinlegen. Fällt die Prothese, bricht sie nicht so leicht.
- Bürsten: mit einer Prothesenbürste (zwei Bürstenköpfe, einer für die Innenseite) und Flüssigseife oder Prothesenpasta. Alle Flächen, auch die Innenseite, die auf dem Kiefer liegt, und bei Teilprothesen die Klammern.
- Gut abspülen unter fließendem, nicht heißem Wasser.
- Mund pflegen: Restzähne normal putzen, Gaumen, Kieferkamm und Zunge mit einer weichen Bürste oder einem feuchten Tuch reinigen.
Wie oft und womit
| Was | Wie oft | Quelle |
|---|---|---|
| gründliche Reinigung mit Prothesenbürste | einmal täglich | ZQP-Ratgeber |
| abspülen | nach den Mahlzeiten, wenn möglich | ZQP-Ratgeber |
| Intensivreinigung mit Tablette oder Schaum | etwa dreimal pro Woche | ZQP-Ratgeber |
| professionelle Reinigung in der Praxis | mindestens einmal im Jahr | ZQP-Ratgeber |
Quelle: ZQP, Ratgeber Mundpflege, 10. Auflage 2024, erarbeitet mit der Bundeszahnärztekammer. Zahnpasta oder nicht? Der ZQP-Ratgeber nennt Zahnpasta mit Prothesenbürste. Ein zahnmedizinischer Fachbeitrag rät dagegen von normaler Zahncreme ab, weil sie den Kunststoff zerkratzt (siehe unten). Wenn Sie unsicher sind, nehmen Sie Flüssigseife oder Prothesenpasta; beides reinigt gut und schont die Oberfläche.
Haftcreme vollständig entfernen: Reste unter der Prothese und auf dem Zahnfleisch können Druckstellen verursachen (ZQP). Wischen Sie Gaumen und Kiefer vor dem Einsetzen mit einem feuchten Tuch oder einer weichen Bürste aus.
Was die Fachliteratur empfiehlt
In der Zahnärztlichen Mitteilung (zm) fasst ein Fachbeitrag von 2023 zusammen (zm-online):
- Kombination aus Bürsten und Seife oder Prothesenreiniger ist am wirksamsten.
- Spezielle Prothesenzahnpasta oder Prothesenschaum ist geeignet, weil sie sanft ist und trotzdem gründlich reinigt.
- Reinigungstabletten sind eine sinnvolle Unterstützung. Produkte mit CE-Kennzeichen schaden bei richtiger Anwendung weder dem Material noch der Schleimhaut.
- Nächtliche Prothesenpause: Sie senkt bei hochbetagten Menschen das Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken. Gebrechlichen Menschen wird deshalb empfohlen, die Prothese nachts herauszunehmen.
Die Bundeszahnärztekammer und das Zentrum für Qualität in der Pflege haben dazu einen praktischen Leitfaden mit Video veröffentlicht (genannt im selben Beitrag).
Was Sie lassen sollten
- Normale Zahncreme: Sie reinigt ähnlich gut, zerkratzt aber die Kunststoffoberfläche, und in den Kratzern lagern sich mehr Beläge an (zm 2023, mit Verweis auf Harrison et al. 2004).
- Desinfektionsmittel auf eigene Faust: Chlorhexidin etwa kann bei längerer Einwirkzeit den Kunststoff verfärben und spröde machen (zm 2023). Desinfektion gehört in die Hand der Praxis.
- Nur einlegen, nie bürsten: Tabletten lösen Beläge, die fest anhaften, nicht allein. Selbst bei scheinbar guter Reinigung können Keime den Kunststoff besiedeln (zm 2023).
Hausmittel: Essig, Zitrone, Natron?
Davon raten Fachleute ab. Essigessenz, Zitronensäure und Backpulver oder Natron wirken über extreme pH-Werte. Bleiben Reste auf der Prothese, können sie die Mundschleimhaut verätzen. Handelsübliche Reinigungstabletten mit CE-Kennzeichen arbeiten dagegen mit Peroxiden in einem milden pH-Bereich zwischen 4 und 9 (zm, 2023).
Auch heißes Wasser schadet: Setzen Sie die Prothese keinen Temperaturen über 60 Grad aus, sie kann sich verformen (zm, Übersicht zur Prothesenstomatitis). Eine Mikrowellen-Desinfektion ist in der Fachliteratur beschrieben, gilt aber nur für metallfreie Prothesen, nicht für den Alltag und nicht öfter als dreimal. Probieren Sie das nicht selbst aus.
Über Nacht: herausnehmen und trocken lagern
Gereinigte Prothesen werden über Nacht trocken in einer offenen Prothesendose aufbewahrt. Wickeln Sie sie nie in Papiertücher, damit sie nicht versehentlich weggeworfen werden (ZQP). Trockene Lagerung über acht Stunden senkt die Keimzahl messbar, ohne den Kunststoff in dieser Zeit nennenswert zu schädigen (zm, 2023).
Ausnahme Teilprothese: Manche Teilprothesen sollen nachts getragen werden, wenn die Praxis das empfiehlt. Wird eine Prothese nicht wie empfohlen getragen, kann sich der Kiefer verändern, und sie passt nicht mehr richtig (ZQP).
Wer die Prothese nachts dauerhaft trägt und sie nicht gründlich reinigt, riskiert eine Entzündung der Schleimhaut darunter, die Prothesenstomatitis. Sie betrifft je nach Studie 20 bis 80 Prozent der Prothesenträger (zm). Mehr dazu: Zahnprothese: häufige Probleme.
Teleskop- und Implantatprothesen
Bei Prothesen auf Doppelkronen oder Implantaten müssen Sie zwei Teile reinigen: die Prothese und das, was im Mund bleibt. Für die Innenkronen, Implantatköpfe und Stege eignen sich Einbüschel- und Zahnzwischenraumbürsten (ZQP). Gerade an Implantaten ist das wichtig: Belag ist die Hauptursache für Entzündungen am Implantat, und gründliches mechanisches Putzen beugt nachweislich vor (Jepsen et al. 2015).
Verfärbungen und Raucher
Kaffee, Tee und Tabak färben Kunststoff mit der Zeit. Gründliches tägliches Bürsten und Tabletten als Ergänzung verlangsamen das. Hartnäckige Verfärbungen und Zahnstein auf der Prothese lassen Sie in der Praxis oder im Labor professionell entfernen, statt mit Hausmitteln zu experimentieren. Fragen Sie bei der jährlichen Kontrolle danach.
Wenn Angehörige oder Pflegekräfte reinigen
Pflegebedürftige Menschen können ihre Prothese oft nicht mehr selbst gründlich reinigen, und viele bemerken Beläge und Geruch nicht mehr. Der zm-Beitrag beschreibt, dass stark verunreinigte Prothesen oft klaglos getragen werden. Das ist gerade für abwehrgeschwächte Menschen ein gesundheitliches Risiko.
- Vorher den Mund mit Wasser ausspülen lassen, das lockert die Prothese. Seitlich hinter der Person stehen, Hinterkopf stützen, Prothese mit Daumen und Zeigefinger greifen; eine Vollprothese löst sich durch vorsichtiges Wackeln (ZQP).
- Prothese täglich herausnehmen und nach den Schritten oben reinigen.
- Beim Einsetzen darauf achten, dass Lippen und Wangen nicht eingeklemmt werden. Bei einer Vollprothese kann die Person einmal zusammenbeißen, bei einer Teilprothese nicht, weil sich Teile verziehen könnten.
- Mundschleimhaut auf Druckstellen und Rötungen ansehen.
- Fragen Sie die Praxis, wie die Prothese nachts aufbewahrt werden soll.
- Jährliche Kontrolle beim Zahnarzt nicht vergessen, sie hält auch den Bonus für künftigen Zahnersatz (Bonusheft).
Wer Angehörige zu Hause pflegt, findet weitere Hilfen bei Pflegekassen und Pflegestützpunkten.
Wann Reinigen nicht mehr reicht
Wackelt die Prothese, drückt sie oder sammeln sich Speisereste darunter, liegt das meist nicht an der Reinigung, sondern an der Passform. Der Kiefer hat sich verändert. Dann hilft eine Unterfütterung. Die Kasse zahlt dafür einen eigenen Festzuschuss, 2026 ohne Bonus 130,15 Euro je Kiefer bei einer Vollprothese und 108,08 Euro bei einer Teilprothese (KZBV, Festzuschüsse 2026). Mehr dazu: Zahnprothese: Arten und Alltag.
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